Vor- und Nachteile der Iriserkennung
Eva Wohlfart

Geld von einem Geldautomaten ohne PIN-Code abzuheben, die eigene Haustür ohne Schlüssel zu öffnen oder eine schnelle und sichere Personenüberprüfung an Flughäfen - das alles könnte mit biometrischen Identifikationsverfahren bald Realität sein. Unter diesen stellt die Iriserkennung ein eher kleines Feld dar. Im ersten Teil dieser Arbeit wird das Verfahren der Iriserkennung kurz vorgestellt und die Ergebnisse einer EU-Studie über verschiedene biometrische Verfahren präsentiert. Des weiteren werden die Vor- und Nachteile der Iriserkennung erläutert und daraus Schlussfolgerungen für Einsatzgebiete heute und in der Zukunft gezogen. 


Einleitung

Man stelle sich den durchschnittlichen Tag eines Studenten vor: Das Aufsperren der Wohnungstür, das Einschalten des Handys mit dazugehörigem PIN-Code oder das Einwählen ins Internet mit dem eigenen Passwort gehören genauso dazu wie das Abheben von Geld über einen Bankomaten - was ebenfalls einen Code erfordert. Auch bei vielen anderen Dingen des täglichen Lebens sind Passwörter und PIN-Codes unerlässlich geworden, um zu überprüfen, ob der Zugang gestattet ist. Bei den derzeitigen Methoden zur Erkennung von Benutzern gibt es zwei Kategorien [12]:

1. Zu merkende Daten: Passwörter, PIN-Codes, User-Namen etc.
2. Versch. Arten von "Schlüsseln": Kreditkarten, Autoschlüssel, Smart cards etc.

Doch diese Fülle an Codes und Schlüsseln kann nicht gerade benutzerfreundlich genannt werden: Schlüssel werden nur zu leicht verloren, Passwörter können vergessen werden. Viele Benutzer entwickeln auch schlechte Angewohnheiten und verwenden das selbe Passwort für viele Anwendungen. Biometrische Verfahren bieten neue Möglichkeiten zur sicheren Identifikation. Viele dieser Systeme finden bereits in der Praxis Anwendung (siehe Abb. 1).

Die Iriserkennung wird zur Zeit nur in wenigen Bereichen verwendet, obwohl sie in einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Zeitschrift iX Magazin (siehe [9]) von mehr als der Hälfte der Befragten akzeptiert wurde: Im Zuge dieser Umfrage, die von 12. September bis 3. Oktober 2001 durchgeführt wurde, wurden 3676 Personen befragt. 69.3% hatten nichts gegen den Einsatz von Fingerprints. Gleich an zweiter Stelle stand die Iriserkennung mit einer Akzeptanz von 55.9% der Befragten. Allerdings zeigte sich, dass die Akzeptanz eines biometrischen Erkennungssystems auch vom Einsatzbereich abhängt: Am Arbeitsplatz befürworteten 79.1% der Befragten den Einsatz von Biometrie, im öffentlichen Bereich aber nur 39.2%.

Immerhin ist der Einsatz biometrischer Systeme insgesamt im Steigen begriffen [2]: Im Jahr 2000 verdoppelte sich der Einsatz dieser Erkennungssysteme gegenüber dem Vorjahr. Auch die Iriserkennung könnte dank fallender Preise eines Tages sogar mit dem Fingerabdruck-Verfahren konkurrieren. Mehrere neueste Entwicklungen sind Anzeichen dafür, dass biometrische Erkennungsverfahren in Zukunft vermehrten Einsatz finden werden [4]: 
1. Computernetzwerke werden zusehends erweitert und von mehr Personen benutzt. Die Nutzer müssen sich heutzutage noch Passwörter merken - das könnte bald Vergangenheit sein.
2. E-Commerce und Telearbeit sind im Steigen begriffen. Bei derartigen Internet Services sind spezielle Methoden erforderlich, um Sicherheit zu gewährleisten, da private Daten Verwendung finden. Sichere Möglichkeiten, die Benutzer zu identifizieren, sind notwendig, um Betrug vorzubeugen.
3. Fortschritte im Bereich der Visualisierung haben zu schnelleren und verbesserten Methoden zur Musteranalyse und damit auch zu besseren Verfahren, z.B. das Muster der Iris zu erfassen, geführt.

Abb.1: Wie in der Grafik ersichtlich, stellte die Erkennung mittels Fingerabdruck im Jahr 2000 den größten Anwendungsbereich der Biometrik dar. Die Iriserkennung ist mit 4 Prozent ein eher kleiner Bereich unter den biometrischen Identifikationsverfahren.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird das Verfahren der Iriserkennung kurz erläutert und die EU-Studie "Usability of Biometrics in Relation to electronic signatures" vorgestellt, die sich mit den verschiedenen biometrischen Systemen befasst. Weiters werden die Vor- und Nachteile des Irisscans geschildert und daraus Schlussfolgerungen für den möglichen Einsatz in der Praxis gezogen.

Das Verfahren

Nun soll das Verfahren der Iriserkennung kurz erläutert werden (siehe Abb.2, [7]): Der Benutzer, der identifiziert werden möchte, nähert sich dem System auf eine Entfernung von etwa 50 cm. Nun ermitteln zwei Kameras zuerst die Position des Gesichts, dann des Auges. Eine dritte Kamera nimmt ein schwarz-weißes Bild des Auges auf. Diese Kamera benutzt sowohl sichtbares als auch infrarotes Licht. Wenn nötig, wird das Bild gedreht, um eine Neigung des Kopfs auszugleichen. Das System benutzt eine bestimmte Schablone, um das Muster der Iris aufzunehmen. Diese "Schablone" wird über das Bild des Auges gelegt und die Schattierungen zwischen hellen und dunklen Regionen der Iris in einen Code umgesetzt. Dabei wird nicht die ganze Iris verwendet: Ein Teil von oben und unten wird durch diese Schablone "weggeschnitten", um keine Probleme durch Augenlider und Kamerareflektionen aufkommen zu lassen. Von jedem Quadratmillimeter der Iris werden durch einen Algorithmus 3.4 bits Code erzeugt. Der endgültige Code ist 512 bytes groß und wird mit der in einer Datenbank gespeicherten Version verglichen. Der ganze Prozess dauert etwa 2 Sekunden.


Abb. 2: Über die Iris des Auges wird eine Schablone gelegt und mittels dieser das Muster der Iris erfasst. Anschließend wird ein 512 byte - Code generiert, der mit einem bereits vorhandenen verglichen wird. Stimmen sie überein, ist die Person identifiziert.

1 Aktive Systeme - passive Systeme

Besonders bei Fragen der Benutzerfreundlichkeit ist der Unterschied zwischen aktiven und passiven Systemen (siehe [9]) wichtig. Bei aktiven Systemen muss der Benutzer das biometrische Merkmal selber in eine bestimmte Aufnahmeposition fokussieren (siehe Abb. 3). Auf die Iriserkennung bezogen wäre dies etwa ein "System für zuhause", bei dem eine Kamera auf dem PC montiert wird und vom Benutzer ausgerichtet werden muss [7]. Passive Systeme (siehe Abb. 4) sind für die Nutzer einfacher zu bedienen, weil die Fokussierung vom System selbst vorgenommen wird.

Abb.3: Ein Beispiel für ein aktives System:Der Benutzer muss die Kamera in die richtige Position bringen, um ein Bild seiner Iris aufzunehmen. Dabei bekommt er bei den heutigen Systemen stets Rückmeldungen, wie die weitere Ausrichtung erfolgen muss. Abb.4: Hier sehen wir ein passives System. Dieses hat den Vorteil größerer Benutzerfreundlichkeit, da es automatisch fokussiert und ein Bild des Auges aufnimmt.

2 Erfassung, Verifikation und Identifikation

Bei der Zugangskontrolle treten zwei Hauptstadien auf: Erfassung (engl.: enrollment) und Verifikation [2,4].Die Sicherheitssysteme, die Iriserkennung verwenden, müssen zunächst die Merkmale der Benutzer speichern. Dieser Vorgang wird "enrollment" genannt und dauert einige Minuten. Während der Erfassung werden mehrere Bilder der Iris aufgenommen. Basierend auf dem besten und damit auch datenreichsten Bild wird ein Referenzdatensatz erzeugt, den das System mit aktuellen Daten vergleichen kann. In der Praxis wird dieser Datensatz mit dem Datensatz einer Person, die Zugang verlangt, verglichen. Hier gibt es die Unterscheidung zwischen Identifikation und Verifikation. Bei der Verifikation wird überprüft, ob derjenige, der Zugang verlangt, auch wirklich der ist, für den er sich ausgibt. Dies ist der one-to-one-Einsatz, bei dem überprüft wird, ob eine Person, die sich z.B. über eine ID-Card identifiziert hat, auch wirklich diese Person ist. Beim one-to-many-Einsatz, der Identifikation, wird eine bestimmte Person aus einer Menge heraus eindeutig identifiziert.


EU-Studie (siehe [10])

Die Studie "Usability of Biometrics in Relation to Electronic Signatures wurde im Jahr 2000 durchgeführt. Dabei wurden Vergleiche zwischen den verschiedensten biometrischen Erkennungssystemen angestellt. Die Bewertungskriterien waren:

  • Universalität: Jede Person verfügt über das biometrische Merkmal.
  • Einzigartigkeit: Jede Person besitzt eine unterschiedliche Ausprägung des Merkmals.
  • Permanenz: Das Merkmal ist dauerhaft.
  • Messbarkeit: Das Merkmal ist quantitativ erfassbar.
  • Performanz: Bewertung von Schnelligkeit, Genauigkeit und Robustheit eines Verfahrens.
  • Akzeptanz: die Benutzerakzeptanz
  • Fälschbarkeit: Das Merkmal ist gegen Fälschungen sicher.
  • Kosten
  • Benutzerfreundlichkeit
  • Eignung für den stationären/mobilen Einsatz

 
  Fingerabdruck Gesicht Handgeometrie Iris
Universal Mittel Hoch  Mittel Hoch 
Einzigart Hoch  Niedrig  Mittel Hoch 
Permanenz Hoch  Mittel Mittel Hoch 
Messbarkeit Mittel Hoch  Hoch  Mittel
Performanz Hoch  Niedrig  Mittel Hoch 
Akzeptanz Mittel Hoch  Mittel Niedrig 
Sicherheit gg. Fälschung  Hoch  Niedrig  Mittel Hoch

Abb.5: Bewertung der biometr. Verfahren in bezug auf generelle biometrische AnforderungenHier besitzt die Iriserkennung in den Bereichen der Messbarkeit und der Akzeptanz gewisse Schwächen. Die Nachteile in der Messbarkeit ergeben sich durch die Aufnahme der Iris, bei der die Auflösung und gute Lichtverhältnisse wichtig sind.

Der Iriserkennung wurden in dieser Studie unübertroffene Sicherheit, aber auch hohe Kosten zugeordnet. Außerdem sei die Benutzung bei aktiven Systemen kompliziert und es gebe Probleme mit der Benutzerakzeptanz. Dies ist auch in den folgenden Grafiken ersichtlich (Abb. 5-7).

  Fingerabdruck   Handgeometrie  Gesicht Iris
Kosten Mittel Hoch Mittel Hoch
Benutzer-freundlichkeit Einfach Mittel Schwer(aktives System)einfach(passives System)  Schwer(aktives System)einfach(passives System)
Wartungsaufwand Mittel bis hoch Mittel Mittel Mittel

Abb.6: Bewertung der biometrischen Verfahren in bezug auf Kosten, Benutzerfreundlichkeit und Wartungsaufwand.Die Kosten der Iriserkennung sind im Vergleich zu anderen Systemen momentan noch sehr hoch. Sofern ein aktives System verwendet wird, ist die Benutzung unkompliziert. Beim Wartungsaufwand halten sich die verschiedenen Erkennungssysteme in etwa die Waage. 

  Fingerabdruck Gesicht Handgeometrie Iris
Heim/Büro (PC/ Laptop)  ja ja ja ja
Mobil (Handy/ PDA/Laptop) ja ja Nein (unpraktisch) Nein (unpraktisch)
Öffentliche Umgebung (Bank-/Internet-terminal) ja ja Weniger geeignet (unpraktisch, Vandalismus) ja

Fig. 7: Bewertung der biometrischen Verfahren in bezug auf unterschiedliche Anwendungsumgebnungen.Im Vergleich zur Erkennung mittels Fingerabdruck oder Gesichts zeigt die Iriserkennung im mobilen Einsatz Schwächen auf, da die richtige Ausrichtung des Auges zur Kamera von großer Wichtigkeit ist und diese "mobil" nur schwierig zu erreichen ist.


Vorteile

Wie schon erwähnt, bietet die Iriserkennung gegenüber anderen biometrischen Erkennungsverfahren einige entscheidende Vorteile [10]. Diese liegen etwa in der hohen Genauigkeit oder in der einfachen Benutzung bei passiven Systemen. Die Vorteile sollen nun genauer erläutert werden.

1. Bequemlichkeit

Sämtliche Transaktionen, die jeder Mensch heutzutage tagtäglich durchführen muss, werden bedeutend vereinfacht [8]. Lange Warteschlangen an Flughäfen werden vermieden, ein kurzer Blick in die Kamera - und die "Passkontrolle" ist vorbei. Wobei natürlich gesagt werden muss, dass der momentane Entwicklungsstand der Systeme, die Iriserkennung verwenden, solchen Szenarien noch nicht entspricht. Zu oft werden berechtigte Benutzer zurückgewiesen, weil die Systeme einfach noch nicht ausgereift sind [8]. In der Entwicklung der Benutzerfreundlichkeit muss noch einiges getan werden, bis die Iriserkennung in wirklich großem Maßstab angewendet werden kann.

2. Einfache Benutzung

Die Erfassung des Bildes der Iris, engl. Enrollment, ist einfach und dauert nur wenige Minuten. In einem Pilotversuch von Spring Technologies [5] sollten fünf Jahre alte Mädchen in die Benutzung des Check-ins auf Flughäfen mittels Irisscan eingewiesen werden. Ein Mitarbeiter der Firma wurde angewiesen, ihnen dabei zu helfen. Nach einiger Zeit aber kam dieser zurück und sagte, die Mädchen hätten ihn zurückgeschickt, weil das System so einfach zu benutzen war. Dieses Beispiel verdeutlicht die einfache Benutzung der Iriserkennung.

3. Hohe Genauigkeit und geschützte Position 

Die Iris ist eine der einzigartigsten und datenreichsten Strukturen des menschlichen Körpers [4,7,8]. Sie liegt hinter der Hornhaut (cornea) des Auges und ist dadurch physisch geschützt. Das Netzwerk der Iris wird im siebenten Monat geformt und besitzt mehr als 200 messbare Charakteristika [1]. Auf der ganzen Erde gibt es keine zwei Irisstrukturen, die sich gleichen [4,6]. Die Wahrscheinlichkeit für eine genaue Übereinstimmung zweier Iriscodes beträgt 1078. Die Anzahl der Menschen auf der Erde beträgt aber nur 1010. Die Fehlerrate für falsche Zurückweisungen (engl.: "false rejections", daher auch FRR: false rejection rate) und falsche Annahmen ("false acceptances", FAR.: false acceptance rate) beträgt näherungsweise 1 zu 1.2 Millionen [7]. Derartige Genauigkeit bietet kein anderes biometrisches Merkmal (siehe Abb.8). 

Ein Nachteil, der manchen biometrischen Erkennungssystemen nachgesagt wird, besteht in der Tatsache, dass sich z.B. ein Fingerabdruck im Laufe des Lebens ändern kann, z.B. durch kleine Verletzungen. Dieses Problem besteht bei der Iris keineswegs [4,6,7]. Die Iris kann weder verändert noch manipuliert werden. Auch chirurgische Eingriffe, die am Auge ausgeführt werden, betreffen in den meisten Fällen nicht die Iris. Sollte dies doch der Fall sein, würde der jeweilige Benutzer sich einfach erneut enrollen lassen. Nun mag dem Leser in den Sinn kommen, dass dies bei Verletzungen des Fingers ja auch kein Problem wäre. Allerdings, wie oft im Laufe eines Lebens verletzt sich ein Mensch am Finger? Sicherlich mehrmals. Und wie oft wird er am Auge operiert? Dies passiert sicherlich nicht einmal jedem von uns in seinem Leben. 
Oftmals wird auch die Frage gestellt, ob Kontaktlinsen oder Brillen ein Problem für die Iriserkennung seien. Hier können besorgte Benutzer beruhigt werden: Die Erkennung wird durch Kontaktlinsen, Brillen und sogar die meisten Sonnenbrillen nicht gestört [3].
Auch Zwillinge, die ja die gleiche DNA-Struktur besitzen, haben völlig unterschiedliche Irisstrukturen [6,7]. Daher werden auch Zwillinge durch Irisscan einwandfrei unterschieden.

Abb.8: Die Iris bildet ein feinmaschiges Netzwerk, welches, einem biologischen Barcode gleich, das ganze Leben unverändert bleibt. Die Anordnung der Rillen, Furchen und Punkte auf der Iris ist bei jedem Menschen unterschiedlich.

4. Schnelligkeit

Der ganze Prozess der Iriserkennung ist ein sehr kurzer, die Erkennung dauert nur wenige Sekunden [12]. Die Suchmaschine, die den passenden Iriscode in der Datenbank sucht, zeigt große Schnelligkeit, welche andere biometrische Systeme nicht erreichen. Pro Minute werden etwa 1.5 Millionen Iriscodes abgeprüft. Obwohl dies im Vergleich zu den anderen Systemen ein sehr guter Wert ist, stellt sich unwillkürlich die Frage, was mit der Schnelligkeit passieren wird, wenn wirklich mehrere Millionen Menschen enrolled sind. Bei den derzeitigen Prozessorleistungen wäre dies nicht möglich. Doch in Zukunft wird eine weitere Verbesserung der Leistung erwartet [5], bleibt abzuwarten, wie groß diese sein wird.

5. Kein physischer Kontakt zwischen Iris und Kamera

Da die Iris nach außen sichtbar ist, ist kein Kontakt zwischen ihr und der Kamera, die ihr Bild aufnimmt, nötig [6]. Dies hat den Vorteil, dass durch die häufige Wiederholung des Erkennungsprozesses keinerlei Verschmutzung auftreten kann. Bei der Erkennung durch Fingerprint, bei der ein Sensor verwendet wird, ist dies nicht der Fall, da der Sensor zur Erkennung berührt wird. Dadurch kann ein Übermaß an falschen Zurückweisungen entstehen, weil der Sensor verschmutzt ist. 

6. Kostenreduzierung

Viele Erkennungsprozesse, die bisher Personal erforderten, z.B. auf Flughäfen, können dank der Iriserkennung ohne Personalaufwand durchgeführt werden [5]. Alle Tätigkeiten, die einem Passagierflug vorausgehen, haben bisher Personal erfordert: das Reservieren der Tickets, die Passkontrolle, das Aufgeben des Gepäcks und schließlich der Check-in. Durch die Iriserkennung vereinfacht sich dieser ganze Prozess, und die Kosten der Fluggesellschaften für das Service rund um den Ticketverkauf könnten sich in Zukunft um 50% bis 70% reduzieren[5]. 


Nachteile

Die Erkennung mittels Irisscan hat allerdings auch einige Nachteile. Diese ergeben sich teilweise daraus, dass viele Systeme noch nicht ausreichend getestet wurden und noch nicht ausgereift sind [8]. Nun wird genauer auf die Nachteile eingegangen.

1. Hohe Kosten

Die Technologie, die für das Irisscanning erforderlich ist, in bestehende Systeme einzubauen, kostet mehr als andere biometrische Technologien [10]. Allerdings benötigen Systeme, die Iriserkennung verwenden, keine besonderen Sensoren, die eingebaut werden müssen, wie dies bei der Gesichts- und Fingerabdruckerkennung der Fall ist. Die derzeit noch hohen Kosten liegen aber auch teilweise daran, dass bis jetzt nicht viele verschiedene Systeme am Markt sind und dass diese nur in kleinen Stückzahlen produziert werden. Sobald mehr produziert würde (was auch der Fall sein wird, wenn einige noch offene Fragen geklärt sind), würden auch die Kosten sinken [4].

2. Akzeptanzprobleme

Viele Menschen haben psychologische Hemmnisse davor, sich die Augen scannen zu lassen [2,10]. Viele meinen, dass das Scannen der Augen gesundheitliche Schäden mit sich bringen könnte. Da die Augen für jeden Menschen von großer Wichtigkeit sind, ist die Angst, ihnen zu schaden nur natürlich. Auch hinsichtlich Persönlichkeits-, Daten- und Verbraucherschutz werden immer wieder Bedenken geäußert.

3. Fälschbarkeit des Iriscodes

Durch die Digitalisierung des Bilds der Iris wird dieser Iriscode nachbaubar [2]. Kriminelle müssten sich nur ein Bild einer Iris beschaffen und ihn dann digital nachbilden. Denn es ist zwar nicht möglich, eine Iris wie die Iris einer anderen Person aussehen zu lassen, aber es ist einfach, ein Bild dieser Iris zu bekommen. Die Iriserkennung kann nur dann nutzbringend angewandt werden, wenn die Erkennungssysteme zwei Dinge nachprüfen können [11]: Dass die Aufnahme der Iris des Benutzers zur Zeit der Verifikation gemacht wurde und dass der Iriscode zu einem der Codes in der Datenbank passt. Um auszuschließen, dass irgendjemand ein Foto vor die Kamera hält, machen schon heute die meisten Kameras mehrere Aufnahmen der Iris (siehe [14]) um sicherzustellen, dass sich die Pupille des Auges bewegt, denn das Auge des Menschen ist in unaufhörlicher Bewegung.

4. Mögliche Diskriminierung

Eine Gefahr der Iriserkennung ist die Möglichkeit der Diskriminierung, die durch die Digitalisierung des Irismusters entsteht [4]. Menschen, die "Probleme" in bestimmten Bereichen haben, könnten benachteiligt werden. Um ein Beispiel zu nennen, stellen wir uns vor, Versicherungen und Krankenkassen würden denselben Iriscode benutzen. Die Versicherungen könnten sich jederzeit Informationen über den Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit ihrer Klienten holen und jenen, die sich für sie nicht "rechnen", etwa chronisch Kranken, den Versicherungsschutz kündigen. Gerade solche Menschen trifft dies aber besonders, da sie auf die Versicherung angewiesen sind. Diese Handlungsweise wäre zwar in den meisten Datenschutzgesetzen illegal, aber nur schwer aufzudecken. Eine mögliche Lösung für dieses Problem wäre die Benutzung verschiedener Iriscodes in verschiedenen Organisationen. Jede Organisation, wie z.B. Banken, Versicherungen, Einwanderungsbehörden etc. hätten dann einen Iriscode, der nicht mit den Codes anderer Organisationen vergleichbar ist [4].

5. Digitales File kann gestohlen werden

Falls Kriminelle eine Möglichkeit finden, einen Iriscode abzufangen, etwa bei einer Übermittlung im Internet, so wäre der Iriscode des Benutzers gestohlen [11]. Dies ist nun problematischer als zum Beispiel beim Diebstahl einer Codekarte oder eines PIN-Codes. In diesem Fall müsste der Benutzer einfach den PIN-Code ändern, beim Iriscode ist dies nicht so einfach, denn wie soll er sich eine neue Iris beschaffen? Ist der Code einmal gestohlen, so ist er für immer verloren und es ist keine Möglichkeit der Rückkehr zur vorhergegangenen sicheren Situation gegeben [11].

6. Mangelnde Ausgereiftheit

Bei vielen Versuchen, die in letzter Zeit durchgeführt wurden, zeigte sich, dass die Iriserkennung in vielen Bereichen noch Pannen aufzuweisen hat [8]: Bei einem Versuch der Fachhochschule Friedberg/Deutschland mussten sich 58 Studenten und Sparkassenangestellte an ihrem Rechner biometrisch ausweisen, wenn sie längere Zeit eine Pause gemacht hatten. Dies kann im Ernstfall verhindern, dass Unbefugte Zugang zum laufenden Computer bekommen. Zwei Drittel der Teilnehmer kamen entweder mit der Bedienung nicht zurecht oder die Technik streikte. Niemand kann voraussagen, was mit der Abfragezeit passiert, wenn 500000 Menschen "enrolled" sind. Der Vorteil der so oft gepriesenen Schnelligkeit könnte sich dann bald in Luft auflösen, da momentan Grenzen in der Prozessorgeschwindigkeit gegeben sind. 

7. Mangelnde Erweiterbarkeit

Viele Systeme der Iriserkennung weisen zwar gute Erfolge bei kleineren Anwendungen und Netzwerken auf, sind aber nicht weiter vergrößerbar [4]. Bei einem der Systeme zur Iriserkennung müssen alle Iriscodes, die in der Datenbank vorhanden sind, in jedem Terminal gespeichert werden. Daher muss dieses File in regelmäßigen Abständen auf den neuesten Stand gebracht werden, weil sich ja auch immer wieder neue Benutzer enrollen lassen. Bei zunehmendem Wachstum der Anzahl an Terminals erweist sich dies als untragbar, da der Aufwand zu groß wird. Bei kleineren Anwendungen, etwa in Büros, ist auch dieses System anwendbar. Der einzige Vorteil daran, alle Iriscodes lokal zu speichern, liegt darin, dass der Zugang nicht von einem funktionierenden Netzwerk abhängt.

8. Bewegtes und kleines Ziel hinter nasser Oberfläche

Obwohl die Iris wegen ihrer biologischen Eigenschaften als Erkennungsmittel äußerst geeignet ist [4,7,8], sind ihre biologischen Eigenschaften doch nicht nur von Vorteil [1]. Für die Kamera, die das Auge im ersten aufgenommenen Bild suchen muss, ist sie mit 11mm Durchmesser ein eher kleines Ziel und schwer zu erfassen. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass sich dieses Ziel in ständiger Bewegung befindet [1], einerseits weil niemand ganz ruhig stehen kann, andererseits durch die ständigen Bewegungen der Augenmuskulatur. Außerdem befindet sich die Iris hinter einer nassen Oberfläche, was Spiegelungen hervorrufen kann.


Schlussfolgerungen

Prinzipiell hat die Iris Eigenschaften, die sie für biometrische Erkennung qualifizieren und auch vor anderen biometrischen Merkmalen auszeichnen. Allerdings sind momentan viele Fragen noch ungeklärt. Bis die Iriserkennung weitgestreuter und in großem Maß eingesetzt werden kann, müssen noch einige Dinge verbessert werden [4]:

1. Bessere Verschlüsselungstechniken, die gewährleisten, dass die Daten nur von demjenigen benutzt werden, der dazu berechtigt ist.
2. Limitierter Zugriff bei Netzwerkfehlern
Auch wenn einmal das Netzwerk ausgefallen ist, sollte eine gewisse Zugriffsmöglichkeit gegeben sein.
3. Sicherheit, dass wirklich echte Merkmale betrachtet werden. Dies wird teilweise bereits heute dadurch gewährleistet, dass mehrere Bilder der Iris aufgenommen werden.

Im Moment wäre eine Anwendung in Bereichen, bei denen "Patzer" in der Identifikation nicht schwerwiegend sind. So könnte in Zukunft das Familienauto erkennen, ob es heute von Mama oder Papa gesteuert wird und dementsprechend Sitze, Spiegel und Kopfstützen einstellen. Oder der Internetbrowser am Familiencomputer könnte den Kindern den Zugriff auf bestimmte Seiten sperren.



Referenzen:
[1] J. Daugman, "High Confidence Visual Recognition of Persons by a Test of Statistical Independence", IEEE Trans. On Pattern Analysis and Machine Intelligence, Vol. 15, No 11, pp. 1148-1161, 1993.
[2] M. Dembeck, "Trendanalyse und Praxisfähigkeit: Biometrie", Wirtschaftsschutz und Sicherheitstechnik, pp. 18 - 19, 4/2000.
[3] S. Garfinkel, "Future Tech", Discover, Vol. 21 No. 9, September 2000.
[4] M.M. Gifford, D.J. McCartney, C.H. Seal, "Networked biometrics systems - requirements based on iris recognition", BT Technology J, Vol. 17, pp. 163 - 169, 1999.
[5] K. Magnay, "Is Biometrics a Candidate to replace E-Ticketing?", Aviation Informatics, p. 16, February 2000.
[6] S.A. Miller, "Iris Recognition Technology looks quite secure", Milwaukee Journal Sentinel, August 1999.
[7] M. Negin et al., ,,An Iris Biometric System for Public and Personal Use'', pp. 70 - 75, 2000.
[8] J. Paulus, "Nie mehr inkognito", Die Zeit, Vol. 33, 2001.
[9] U.Roos, J.Seeger, "Umfrage: biometrische Verfahren weitgehend akzeptiert", iX Magazin für professionelle Informationstechnik, p. 94, 12/2001.
[10] D. Scheuermann, S. Schwiderski-Grosche, B. Struif, "Usability of Biometrics in Relation to Electronic Signatures", Eu-Studie 502533/8, 2000, siehe http://sit.gmd.de/SICA/index.htm unter Finished Projects, EU-BioSign.
[11] B. Schneier, "Biometrics: Uses and Abuses", Inside Risks 110 (Communications of the ACM , Vol. 42, nr. 8, August 1999.
[12] C.H. Seal, M.M. Gifford, D.J. McCartney, "Iris Recognition for User Validation", British Telecommunications Engineering Journal, Vol. 16, No 2, July 1997.
[13] M. Simmons, "Security on the Brain, Solutions in the Eyes", Amsterdam Journal, October 25, 2001.
[14] J. Whitesell, ,,Iris Scanning Report", C S 147, Fall 2000.